Kriminalität: „Offiziell angezeigten Taten nur die Spitze des Eisbergs“

Redaktion 5. Oktober 2019 1088 6 Kommentare

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Foto: Youtube-Screenshot

Artikel: Lausitzer Allgemeine Zeitung

„Gefühlte Sicherheit und Furcht vor Kriminalität und Gewalt korrelieren nur mäßig mit der objektiven Sicherheitslage.“ So die vermeintlich wohlwollenden Worte einer Studie des Bundeskriminalamtes. Auch die Innenminister rühmen sich Öffentlichkeitswirksam: „Eines der sichersten Länder der Welt“ zu sein. Mit statistischen Zahlenwerk und einstudierten politischen Phrasen wird das Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung zur reinen Einbildung erklärt.

Das reale Unsicherheitsgefühl

Allerdings gibt es auch Umfragen, die sich nicht so recht in die „Alles-ist-Gut-Mentalität“ einfügen wollen. Immer weniger Straftaten werden noch zur Anzeige gebracht. Zugleich sinkt das Vertrauen in Polizei und Behörden: Somit wird eine Schweigespirale von beiden Seiten bedient.

Kriminalität: „Beunruhigend bewerten die IHKs in Berlin-Brandenburg vor allem die hohe Dunkelziffer“

>Deutscher Industrie- und Handelskammertag<<
„Als beunruhigend bewerten die IHKs in Berlin-Brandenburg vor allem die hohe Dunkelziffer. So seien die offiziell angezeigten Taten nur die Spitze des Eisbergs.“

„Wie groß ist der Schaden den Kriminelle der Lausitzer Wirtschaft zufügen?“

>Lausitzer Rundschau<<
„Wie groß ist der Schaden, den Kriminelle der Lausitzer Wirtschaft zufügen? Offenbar größer als bekannt. Nur jede zweite Straftat wird gemeldet.“

„Nur jede zweite Straftat wird gemeldet“

Dabei ist die Lage noch viel Dramatischer: Zwei Drittel aller Betriebe sind Opfer mindestens einer Straftat geworden. Über die Anzeigenquote gibt es lediglich halb-offizielles Zahlenwerk: Aber auch diese ist Rückläufig. Dazu Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg: „Weit mehr als die Hälfte aller Straftaten, ausgenommen Einbruchdiebstahl, wurden nicht zur Anzeige gebracht.“ Alle Angaben beruhen auf einer freiwilligen Befragung unter Berücksichtigung der Anonymität. Bedeutet: Nach Maßgabe der amtlichen Kriminalstatistik sind alle diese Straftaten niemals passiert. Ergo: Es gibt – rein formal – keine Kriminalität. Oder mit Worten des zuständigen Ministers: „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt“ – Der Satz ist übrigens völlig Ironiefrei gemeint.

Phantasiewelt eines Ministers: „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt“

Abseits der Phantasiewelt eines Ministers sind die – realen Zahlen mehr als Erschreckend – hoch: Bei Hackerangriffen kommen lediglich – zehn Prozent aller Straftaten – zur Anzeige. Selbst bei schweren Straftaten – wie Vandalismus und Diebstahl – finden sich auch nur 30 % der Unternehmer bereit: Diese bei der Polizei anzuzeigen. Noch nicht mal bei schwerwiegenden Einbruchdiebstahl: Halten nicht mal die Hälfte alle Befragten es für nötig, dies einer amtlichen Stellen zu melden.

Hackerangriffe: Lediglich zehn Prozent aller Straftaten kommen zur Anzeige

Die Studie untermauert das subjektive Unsicherheitsgefühl mit realen Zahlen. Angesichts der erschreckend hohen Kriminalität: Da ist es vollkommen utopisch anzunehmen, dass die Polizei diese aufklären könnte. Beispiel – Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen: Diese liegt in Wirklichkeit bei lediglich 2,6 Prozent. Kurzum: Wozu noch die Zeit für eine Anzeige bei der Polizei verschwenden?

Aufklärungsquote bei Einbrüchen liegt lediglich bei 2,6 Prozent

Mit steigenden Unsicherheitsgefühl steigt auch das Misstrauen in amtliche Institutionen. Eine Polizeiliche Kriminalstatistik, die mehr Kriminalität verschleiert, als diese transparent Offen zu legen. Innenminister die sich selbst rühmen „eines der sichersten Länder der Welt“ zu sein. Und Beamte von BKA: Die systematisch die Augen vor der Realität verschließen und alles auf ein „subjektives Gefühl“ der Bevölkerung schieben. Das alles erzeugt natürlich Misstrauen bei der Bevölkerung. Nur ohne Vertrauen der Bürger in die Polizei: Kann die Polizei sich gleich selbst abschaffen. So die verkürzte Schlussfolgerung einer offiziellen Studie: Der Polizei höchstselbst.

„Vertrauen der Bürge“ – „Voraussetzung für die Unterstützung bei der Ermittlung und Verfolgung von Straftaten“

„Ein für die Polizei schwer zu beeinflussender Faktor ist der des Vertrauens der Bürger in die Organisation „Polizei“ als Teil des staatlichen Systems (Groll und Lander, 2000). In der sozialwissenschaftlichen Vertrauensforschung gilt das Vertrauen gegenüber staatlichen Institutionen, u.a. der Polizei, als ein Indikator für das Ausmaß der Unterstützung des politischen Systems. Für die Polizei selbst ist insbesondere das Vertrauen der Bürger in die Effektivität polizeilicher Arbeit von Bedeutung, das wiederum als Voraussetzung für die Unterstützung bei der Ermittlung und Verfolgung von Straftaten gilt. Ohne diese Unterstützung seitens der Bürger ist „keine erfolgreiche Polizeiarbeit möglich“ (Murck, 1992, S. 16).“

Omertà: Von der Schweigepflicht zur Schweigespirale

Omertà – Ein Begriff der ursprünglich aus Italien stammt, aber aus Ermangelungen der Deutschen Sprache: Mittlerweile auch hierzulande Einzug hält. Anders als der Duden andeutet: Erstreckt sich die Schweigepflicht nicht nur auf Mitglieder der Mafia oder andere kriminelle Organisationen – sondern weit darüber hinaus.

Opfer erstatten keine Anzeige und Täter machen keine Aussage

Als allgemeine Faustformel gilt: Bei Verbrechen oder anderen Straftaten haben umstehende Zeugen nichts gesehen und nichts gehört. Und falls doch: Können sie sich auf „wundersamerweise“ an nichts mehr erinnern. Opfer erstatten keine Anzeige und Täter machen keine Aussage. Selbst bei Morden bleibt der Polizei häufig nichts anderes übrig, als schnöde zu dokumentieren: Das ein Mensch gewaltsam ums Leben kam. Grund für das Schweigen: Wer der Mafia in die Quere kommt, wird mitunter selbst zum „Schweigen“ gebracht.

Bürger erstatten keine Anzeige mehr

Doch die „Omertà“ ist mittlerweile auch hier angekommen. Täter laufen frei herum. Bürger erstatten keine Anzeige mehr. Polizeiliche Ermittlungsverfahren verlaufen im Sande oder werden aus „Mangel an Öffentlichen Interesse“ einfach eingestellt. Minister und Beamte reden die Kriminalitätslage schön. Kurzum: Alle Wissen es und Alle Schweigen – Omertà.

6 Kommentare auf “Kriminalität: „Offiziell angezeigten Taten nur die Spitze des Eisbergs“

  1. Nordsee-marie on

    Nur jede zweite Straftat wird gemeldet ? Falsch, viele Straftaten werden gar nicht mehr aufgenommen ( bei uns z.B. Fahrraddiebstahl )
    “ Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt “ . Gleich nach Süd-Afrika ? Und weil es so sicher ist, gehen hier nach Einbruch der Dunkelheit nur noch Männer gaaaanz schnell die Gassi-Runde mit Wuffo. Zu Haus wird die Haustür 2mal abgeschlossen, die Fensterläden runtergelassen und allein lebende Frauen haben ein Messer auf dem Nachtschränkchen ( Tatsache aus dem Nachbarort ) ?

  2. nietfeldhaenchen on

    Ein jeder sollte das Recht in die eigene Hand nehmen -da von staatlicher Seite nicht mehr viel zu erwarten ist und die Strafverfolgungsbehörden mit System AUSGEDÜNNT, MANIPULIERT, VERUNSICHERT, usw werden ! !

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