BRICS – Multilateralismus und freier Handel

Redaktion 23. November 2019 558 1 Kommentar

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Autor: Timmy C.

In den deutschen Medien wird dieser Wirtschaftsgipfel tot-geschwiegen. Welche Überraschung aber auch.
Die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China und
Südafrika – sind vor zwei Wochen in Brasília zu einem Gipfeltreffen zusammengekommen.
Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Dinge in Südamerika nicht gut aussehen.

Während die USA und die EU mit ihren eigenen Kämpfen konfrontiert sind, treffen sich die großen Außenseiter-Nationen
der Welt auf dem BRICS-Gipfel.
Dort haben sie die Chance, die globale Agenda zur Verbesserung ihrer eigenen Wirtschaft und ihres Ansehens auf
der internationalen Bühne neu zu definieren.

Der am Mittwoch begonnene Gipfel zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS) in Brasília
rückt eine uneinheitliche Gruppe von immens bevölkerten Nationen in den Mittelpunkt, während die Westmächte
sich in ihrer instabilsten Lage seit Jahren befinden.

Dies ist ein Treffen für die Außenseiter dieser Welt. Die unangenehme Truppe. Es sind die schlaksigen Kinder,
die Geeks, die Pickelgesichter und die einfach nur schrägen Akteure auf dem globalen Spielplatz. Es sind die großen,
einflussreichen Akteure ihrer Regionen, aber nicht willkommen an der Spitze der globalen Finanzinstitute, wo
Europa und die USA Einfluss haben und eifersüchtig ihre Sitze bewachen.

Sicher, sie haben wirtschaftliche Probleme zu besprechen, was angeblich den ganzen Sinn des Gipfels von
Brasília darstellt. Doch es ist die Geopolitik, wegen der sie tatsächlich dort sind. Ein großer Klatsch und Tratsch,
aber auch die Möglichkeit, Erfahrungen über die zunehmend zersplitterte Europäische
Union und die sich immer mehr isolierenden USA von Donald Trump auszutauschen, und darüber zu sprechen,
wie sich diese beiden tektonischen Veränderungen auf ihre eigenen Welten und Einflussbereiche auswirken.

China ist gerade dabei, seine massive Belt and Road Initiative durchzuführen und verbreitet weltweit die Investitionslust.
Russland hat es geschafft, bisher ungeahnte diplomatische Übergriffe im Nahen Osten zu meistern. Indien spricht
für seine enorm vielfältige 1,3 Milliarden Menschen zählende Gesellschaft.
Südafrika trägt das Gewicht des gesamten afrikanischen Kontinents auf seinen Schultern, zusammen mit all den
Erwartungen, die damit verbunden sind.

Und Brasilien? Nun, Brasilien spielt den Gastgeber. Es ist ein Spiel der Aufrechterhaltung für Brasiliens Präsident
Jair Bolsonaro, und alle Augen sind auf ihn gerichtet, in der Hoffnung, dass er sich schlauer anstellt als bei seinem
ersten Ausflug auf die Weltbühne beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar letzten Jahres. Der schroffe, lispelnde
ehemalige Hauptmann erhielt keine begeisterten Kritiken für seine kurze Rede dort, die nur sechs von
den zugewiesenen 45 Minuten dauerte. Diesmal hat er Lula, seinen frisch aus dem Gefängnis entlassenen politischen Rivalen,
den er von der Seitenlinie aus beobachtet. Das ist alles nicht so angenehm.

Während ihre Volkswirtschaften nicht im Einklang stehen und es individuelle Schwierigkeiten und Prioritäten für diese
Nationen geben kann, teilen die BRICS-Staaten ihren Außenseiterstatus. Das ist eine starke Verbindung, auch wenn
nicht alles dort einem Gentlemen’s Club gleicht. Sie können sicherlich weitere Gemeinsamkeiten in der Funktionsweise
ihrer New Development Bank oder dem BRICS Business Council finden. Sie könnten
auch über die potenziellen Auswirkungen des Handelsprotektionismus und des Zugangs zum US-Markt sprechen,
oder sich mit der digitalen Kluft befassen. Insbesondere China hat viele Innovationen in dem Bereich, das es teilen könnte.

Die BRICS-Länder repräsentieren 42 Prozent der Weltbevölkerung. Wenn es ihnen gelingt, einen Weg zu finden,
um die Probleme, die sich auf ihre Fähigkeit zur Steigerung des BIP auswirken – Bildung, Sicherheit, Bevölkerungsveränderungen,
Klimafragen und Staatsverschuldung – effektiv anzugehen, dann stehen ihnen die Aussichten offen, ihre Volkswirtschaften
vor den Störungen der Weltwirtschaft schützen zu können. Dies würde eine dynamischere
Reaktion auf entstehende Probleme ermöglichen.

Während sich die BRICS-Nationen in Brasília treffen, schaut der Rest der Welt zu, und fragt sich, ob die Dinge sich
nun so weiter entwickeln werden.
Die EU und die USA scheinen so sehr in die Machenschaften ihrer eigenen internen Abläufe verwickelt zu sein, dass
sie keine Zeit oder Lust haben, globale Probleme in größerem Umfang anzugehen.

Dieser Gipfel ist eine fantastische Gelegenheit für die BRICS, ein enormes Mitspracherecht darüber zu bekommen,
wohin die globale Reise geht.
Diese Chance sollten sie nicht verspielen.

Zusammenfassung:
Technisch gesehen ist Brasilien nach dem Putsch nur noch auf dem Papier ein Mitglied und Südafrika unter enormen
wirtschaftlichen Druck geraten um seine dahingehende Beteiligung zurück zu fahren.

Es bleiben Russland und China als starke Partner, während Indien auf Grund der Spannungen mit China einen
Zitterkurs durchführt. Trotzdem bietet dieses Modell durchaus die Möglichkeit für weitere Partnerschaften, die
zunehmend Chancen für Zweit- und Drittwelt-Staaten vornehmlich aus dem Raum Asien, aber auch Afrika schafft.

Mittel- und Südamerika erlebt gerade wieder, wie es ist unter amerikanischer Hegemonie ihre Souveränität zu verlieren.
Die paar Rebellen die es dort noch gibt (Kuba, Venezuela, Bolivien?, Mexiko?) bezeugen diese Entwicklung um so mehr.

Der Griff zur absoluten Weltmacht durch die VSA ist, zumindest mittelfristig, unterbunden, während sie schon vom
Geist des richtungsweisenden Bürgerkriegs gezeichnet sind. Die EU ist nachhaltig zerstritten und könnte durchaus
über den BreXit einer Auflösung entgegen sehen, sofern sie keine vernünftige Haltung zu Russland finden.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/BRICS-Staaten
https://www.issa.int/de_DE/-/brics-countries-leading-the-global-growth-of-social-security

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